Aktuelles
Neu: Abendgottesdienste um 17 Uhr und Familienkirche um 15 Uhr
Eine Idee, die Pastor Feldmann aus dem Sabbatical mitgebracht hat, ist, jetzt auch bei uns Abendgottesdienste anzubieten.
Diese Abendgottesdienste sollen um 17 Uhr beginnen, damit es danach nicht zu spät wird, und sie sollen in all unseren Kirchgebäuden angeboten werden, um der ganzen Gemeinde den Zugang leichter zu machen.
Als Termine haben wir im ersten Halbjahr vorgesehen:
22.03.2026, 17:00 Uhr in Borgstedt mit Pastor Feldmann
03.05.2026, 17:00 Uhr in Bünsdorf mit Pastorin Jensen
14.06.2026, 17:00 Uhr in Groß Wittensee mit Pastor Feldmann
(Der 10 Uhr Gottesdienst findet an diesen Tagen nicht statt!)
Auch ein Vorsatz aus dem Sabbatical: Familienkirche.
Haben wir immer schon gemacht. Ich erinnere mich an schöne, kreative Gottesdienste. Jetzt soll es besser durchdacht auf das Jahr bezogen sein und auch wieder so, dass jedes Kirchgebäude in unserer Gemeinde berücksichtigt wird und Zeiten gefunden werden, die hoffentlich Familien mit Kindern zuträglicher sind, nämlich am Nachmittag um 15 Uhr.
Danke hier schon mal für unser fleißiges Team, in erster Linie Moni Sayk, Inga Hohnecker und Christina Janzen, mit denen ich diesen Versuch durchgesprochen habe und durchführen darf.
Unsere Termine sind (auch hier: an den Tagen kein Gottesdienst um 10 Uhr):
26.04.2026, 15 Uhr, Borgstedt
13.09.2026, 15 Uhr, Groß Wittensee
31.10.2026, 15 Uhr, in Bünsdorf (Reformationstag)
Anschließend soll es jeweils einen kleinen Imbiss zum Ausklang geben.
Nach einem Jahr werden wir auswerten, ob diese Angebote angenommen wurden oder ob wir zu unseren alten Zeiten zurückkehren sollen.
Siehe, ich mache alles neu.
Siehe, ich mache alles neu. (Offenbarung 21, 5)
So lautet das Bibelwort, das uns in diesem Jahr begleiten soll. Manche mögen es hoffnungsvoll finden. Ich finde es im ersten Moment unangenehm. Ich will gar nicht so viel Neues. Ich finde das Alte ja ganz schön. Nicht längere Arbeitszeiten – meine Güte, was soll ich denn noch? Nicht noch mehr Digitales. Das krieg ich doch nicht hin, und funktionieren tut es auch nicht immer. Wir leben in einer Zeit, in der manche Sicherheiten – wer ist eigentlich unser Freund? – uns wegbrechen, und wir Angst haben müssen vor der Zukunft und darum enorme Anstrengungen unternehmen, um uns abzusichern, immer in der Hoffnung, dass es doch nicht nötig wird.
Auch in der Kirche wird viel anders. Wir sind zum ersten Mal weniger als 2000 Mitglieder. Viele verlassen die Kirche. Vor allem junge Leute. Ich lese die Namen. Manche kenne ich vom Konfirmandenunterricht. Ein Name berührt mich besonders. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie eine Frage stellt, der Propst war da gerade zur Visitation, und dadurch den ganzen Unterricht auf ein anderes Gleis bringt. Dafür gab‘s nachher viel Lob. Was ist jetzt geschehen? Hat sie vergessen, wie es war, in die Kirche einzuziehen bei der Konfirmation im Festtagskleid zum ersten Mal als junge Erwachsene? Hat sie vergessen, wie es auf der Konfirmandenfreizeit war? Hektisches Rennen über die Flure und erste Blicke nach den Jungszimmern? Hat das alles keinen Sinn gehabt? Das kann ich nicht glauben. Denn wenigstens in meinem Herzen bleibt ein freundlicher, warmer Nachhall, wenn ich an diese Situationen denke. Und ich kann nicht glauben, dass das bei ihr wesentlich anders ist. Also schiebe ich meine Enttäuschung an die Seite, raffe meine müden Kräfte zusammen und unterrichte weiter, so gut ich kann. Ja, ich bin älter geworden, aber nicht dümmer.
Und ich habe gute Mitarbeiter. Und nach wie vor wünsche ich mir Lebendigkeit. Darum fahre ich auf Freizeit. Und genau da kommt mir dieser Bibelspruch wieder in den Sinn. „Siehe, ich mache alles neu.“ In diesem Aufraffen hilft mir jemand mit seiner Auferstehung. Das bin ich nicht allein. Es ist, als lächelte er mir zu und fragte: „Na, kannst Du noch?“ Und ich sage: „Ja, Herr, versucht wird‘s. Aber lass mich nicht allein.“ Und dann geht’s. Und gar nicht schlecht.
Viele von uns werden durch schwierige Zeiten gehen und müssen sich neu orientieren. Ob durch Alter oder Krankheit, Veränderungen im Beruf oder in der Familie. Uns allen wünsche ich, dass wir das glauben und erleben können: „Siehe, ich mache alles neu.“ Wir geben nicht auf. Wir raffen uns zusammen. Wir versuchen es noch mal. Einer ist dabei mit uns, das tut gut.
Pastor Thies Feldmann
Sabbatical von Pastor Feldmann - sein Bericht
„Sabbatical ist eine Kunst, die man lernen muss…“
Manche haben mich gefragt: Wie war Dein Sabbatical? Hier gebe ich einen kleinen Bericht und würde ihn so im Anschluss an ein berühmtes Buch von Erich Fromm, das meine Generation beim Aufwachsen berührt hat, überschreiben. Denn diese Zeit steht als so große Möglichkeit im Raum, dass man erst mal seinen eigenen Weg finden muss durch alle Ratschläge und Vorbilder anderer und durch die eigenen Ansprüche, diese außergewöhnliche Zeit auch wirklich zu etwas Außergewöhnlichem zu machen.
Ich habe gebraucht, das Sabbatical herunter zu deklinieren, bis es wirklich zu mir passte. Denn anders als andere lebe ich nicht im luftleeren Raum, in dem alles möglich wäre, z. B. 3 Monate Meditieren in Indien, sondern in Familie und das gerne und überzeugt, und das bindet und macht eben nicht alles möglich. Denn ich habe Sabbatical, die anderen aber nicht. So war von Anfang an mein Bestreben, mit dem Sabbatical Druck aus der Familie zu nehmen. Denn die Familie trägt meinen Beruf und meine Berufung mit und muss manches Mal zurückstehen. Mein Ziel war Zeit haben, Dinge auffangen, auf meine Schultern nehmen, die sonst im Familienganzen zu einer Überforderung führen. Dieses Programm wirkt nicht spektakulär. Dann bestand das Sabbatical eben aus Rasenmähen, Betten abziehen, den Sohn fahren, Äpfel und Birnen sammeln. Aber das war in der gegebenen Situation entlastend für die Familie und darum sinnvoll.
Und doch gab es eine Fülle kleiner Dinge, die das Leben leichter machten, aber ohne das Sabbatical
nicht möglich gewesen wären. Hier eine Aufstellung:
- Lesen in der Sonne (Charles Dickens, 1000 S.; Thomas Mann, Joseph und seine Brüder, 1300 S.)
- am Sonntag in Ruhe duschen, ohne die Predigt in Gedanken zu memorieren
- mit trauriger Seele muss ich nicht arbeiten
- Fahrten für den Sohn, auch zur Fahrschule, und dadurch besondere Gespräche
- an roter Ampel in Ruhe warten
- Liegengebliebenes wegräumen
- Freundschaften und Familie (Enkel) pflegen
- mit der Nachbarin plauschen, ohne danach in Zeitdruck zu geraten
- Zeit haben, spontane Einladungen anzunehmen
- nach Hause kommen, ohne Angst, was für Katastrophen der Anrufbeantworter bietet
- immerhin 2 „Lieder ohne Worte“ von Mendelssohn erlernen
- was schiefgelaufen ist, kaputt gegangen ist, in Ruhe reparieren und verbessern — da darf der Zusammenbau einer Fliegentür auch mal 2 Tage dauern
- in der Familie aufräumen, was man selbst nicht liegenließ, ohne Wutanfall, weil man eigentlich keine Zeit hat
- die überreiche Apfel- und Birnenernte nicht vergammeln lassen, sondern versorgen.
Dies ist nur eine Auswahl, die Liste wäre fortzusetzen. Und auch wenn es sich um scheinbar geringe Dinge handelt, bin ich doch dankbar dafür, weil sie mir innere Ruhe schenkten. Wenn man den Abstand von der Arbeit hat, kann es gar nicht anders sein, als dass einem Kleinigkeiten einfallen. Von einigen neuen Ideen werden Sie im Gemeindebrief lesen. Mal sehen, wie sie ankommen.
Neben allem blieb auch Zeit für mehrere Wochenenden mit der Familie auf den nordfriesischen Inseln, am neuen Studienort Gotha unseres ältesten Sohnes, Fahrten zu Freunden oder einsame
Wanderungen durch den Harz. Den Höhepunkt bildete nach Jahren der Coronakrise, in denen das nicht möglich war, eine Reise mit meiner Frau für eine Woche nach Apulien und ein Stück italienischer Lebensfreude ganz am Ende des Sabbaticals. Grundsätzlich bin ich total dankbar für diese Zeit. Ich danke meiner Kirche, dass es solche Projekte gibt. Ich danke meinen Kolleginnen, die mich vertreten haben. Ich danke allen, die
Gottesdienste für mich übernommen haben. Ich danke der Gemeinde, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Ehrenamtlichen, Mitgliedern des Kirchengemeinderates, die mir meine Ruhe gelassen haben, obwohl ich hätte greifbar sein können. Sie haben ein nicht erwartetes Maß an Selbständigkeit in der Lösung von Aufgaben bewiesen, sodass der Wiedereinstieg in die Arbeit mir leicht gemacht wurde, weil alle Projekte der dann kommenden Adventszeit schon angeschoben waren.
Ich merke, dass ich mit einer anderen Gelassenheit an meine Aufgaben zurückkehre, auch wenn ich zugeben muss, dass eine Restunruhe sich nicht hat auflösen lassen. Den Stein der Weisen, der
alle Fragen löst, habe ich leider auch im Sabbatical nicht gefunden, aber wahrscheinlich ist das unrealistisch, dies zu erwarten. Dennoch kehre ich in den Dienst zurück mit guten Erfahrungen, dass sich der Weg schon findet, was mir Zuversicht gibt und mich weiter begleiten wird.
Thies Feldmann

